Die Frau mit dem aufgeschlitzten Mund — die Legende von der Panik von 1979
Die Frau mit dem aufgeschlitzten Mund ist eine Großstadtlegende über einen Geist in einer medizinischen Maske: Im Frühjahr 1979 verbreitete sich das Gerücht innerhalb weniger Monate von der Präfektur Gifu bis zu Schulen in ganz Japan. Sie hält einen Passanten mit der Frage „Bin ich schön?“ auf und nimmt die Maske erst nach der Antwort ab, dann kommen die Scheren zum Einsatz. Die Legende hielt sich durch Gespräche und Zeitungsnotizen — weder Telefon noch Internet waren dafür nötig.

Zu Beginn dieser Panik gab es weder soziale Netzwerke noch Messenger — nur Geflüster in der Pause und eine Notiz in der Lokalzeitung, und das reichte, damit Eltern ihre Kinder nach wenigen Monaten in Scharen von der Schule abholten. Über den Namen und das Aussehen der Frau selbst geht es auf der Nachbarseite über Kuchisake-onna.
Das Gerücht, das in Gifu entstand und das ganze Land erfasste
Alles begann Ende 1978 in der Kleinstadt Yaotsu in der Präfektur Gifu: Dem Gerücht nach sah eine ältere Frau im Hof eine Unbekannte mit aufgeschlitztem Mund. Bis Januar 1979 druckte die lokale „Gifu Nichinichi Shimbun“ die Geschichte, im März erzählte sie „Shūkan Asahi“ nach, im April „Shūkan Shinchō“. Danach verbreitete sich das Gerücht von selbst: In einem einzigen Frühjahr erreichte es Schulen in ganz Japan und bekam an jeder Station lokale Details dazu.
- Ausgangspunkt: Ende 1978, die Kleinstadt Yaotsu, Präfektur Gifu.
- Erste Veröffentlichung: die Zeitung „Gifu Nichinichi Shimbun“, 26. Januar 1979.
- Höhepunkt der Panik: Frühjahr 1979, die Zahl der Artikel ging in die Dutzende.
- Abklingen: Zum Beginn der Sommerferien 1979 verlor sich das Gerücht von selbst.
Was in den Schulen geschah, während das Gerücht wuchs
Lehrer und Eltern reagierten ernsthaft: Kinder wurden in Gruppen von der Schule abgeholt, es wurden Patrouillen organisiert, und in einzelnen Städten — etwa in Kushiro auf Hokkaido und in Niiza in Saitama — wurde der Unterricht zeitweise ganz eingestellt. Dabei steht hinter dem Gerücht kein einziger bestätigter Angriff: Die Presse druckte Nacherzählungen von Nacherzählungen, und die Panik nährte sich aus ihnen selbst, nicht aus realen Opfern.
Erkennungsmerkmale: Maske, Frage, Schere
Das Gerücht hatte ein festes Drehbuch, das landesweit fast gleich nacherzählt wurde. Eine Frau in einer weißen medizinischen Maske hält ein Kind mit der Frage „Bin ich schön?“ (私、綺麗?) auf. Antwortet man „ja“, wird die Maske abgenommen — darunter ein bis zu den Ohren aufgeschlitzter Mund — und die Frage erklingt erneut, nun über das entstellte Gesicht. Über die Wunde selbst gingen die Erzählungen auseinander: Die einen machten eine misslungene Operation verantwortlich, die anderen einen eifersüchtigen Ehemann mit Messer.
| Japanisch | Lesung | Übersetzung |
|---|---|---|
| 私、綺麗? | Watashi, kirei? · Watashi, kirei? | „Bin ich schön?“ — die Frage aus der Legende |
| マスク | masuku · masuku | Maske |
| はさみ | hasami · hasami | Schere |
| 噂 | uwasa · uwasa | Gerücht, Gerede |
| 口 | kuchi · kuchi | Mund |
Die Geschichte der Frau mit dem aufgeschlitzten Mund: Wie ihr Auftauchen erklärt wurde
Einen festen „Kanon“ hat die Geschichte nie gehabt — das ist ein typisches Merkmal einer Großstadtlegende, keine Nacherzählung eines realen Falls. Neben der Version von der misslungenen Operation beim Chirurgen gab es die Version von einem Angriff oder einem Unfall in der Kindheit. Überprüfen lässt sich keine davon: Eine reale Person hinter dem Gerücht wurde nie gefunden.
口 — значение: Mund, Mundöffnung, Öffnung — онъёми: コウ、ク — кунъёми: くち — 3 штрих(ов). 口 — „Mund“: genau das Schriftzeichen, das dem Namen 口裂け女 zugrunde liegt. In der Legende selbst ist es kein Schriftzeichen aus dem Lehrbuch, sondern Teil des Bildes — ein Mund, der unter einer Maske verborgen wird.
Vier Methoden, mit denen man 1979 vor ihr floh
- Unbestimmt antworten — „so mittel“: Dem Gerücht nach brachte das die Frau durcheinander und verschaffte Zeit zur Flucht.
- Eine Münze oder ein Bonbon anbieten: Sie soll sich abgelenkt haben, um die Gabe aufzuheben.
- Sagen, dass man in Eile ist: Dann entschuldigte sie sich höflich und ließ einen gehen.
- Dreimal das Wort „Lippenstift“ sagen: Einer Version zufolge wurde ihr der Mund mit dem Lippenstift eines Friseurs aufgeschlitzt, und das Wort brachte sie aus dem Konzept.
Ob diese Ratschläge wirklich halfen
Überprüfen lässt sich das nicht: Die Rettungsmethoden gehören zum selben Folklor wie die Frau selbst. Bezeichnend ist etwas anderes: Innerhalb weniger Monate lernten Kinder gleich vier unabhängige „Rettungsrezepte“ und trugen sie in die Schulen — ein normales Tempo für ein Gerücht ohne eine einzige gedruckte Quelle.
Ist das derselbe Yokai wie Kuchisake-onna?
Ja, es ist dieselbe Gestalt unter zwei Namen. „Die Frau mit dem aufgeschlitzten Mund“ ist die Übersetzung der Bedeutung, „Kuchisake-onna“ der japanische Name, wie er ist: 口裂け女. Es unterscheiden sich nicht die Wesen, sondern das, was jedem Namen anhaftet: dem deutschen die Legende und die Panik, dem japanischen die Schreibung des Namens, Filme und spätere Nacherzählungen.
| Name | Was für eine Form das ist | Wo er häufiger vorkommt |
|---|---|---|
| Die Frau mit dem aufgeschlitzten Mund | Übersetzung der Namensbedeutung | Nacherzählungen der Legende, Gespräche über Großstadtgerüchte |
| Kuchisake-onna | der japanische Name 口裂け女 in lateinischer Umschrift | Filmvorspänne, Anime, japanische Quellen |
| 口裂け女 | die ursprüngliche Schreibung in Schriftzeichen | die japanische Presse von 1979 und alles, was danach geschrieben wurde |
Häufige Fragen
- Wer ist die Frau mit dem aufgeschlitzten Mund?
- Die Gestalt einer japanischen Großstadtlegende von 1979: eine Frau in einer medizinischen Maske, die fragt „Bin ich schön?“ und nach der Antwort einen bis zu den Ohren aufgeschlitzten Mund zeigt. Dieselbe Figur ist unter dem japanischen Namen Kuchisake-onna (口裂け女) bekannt — ausführlich über den Namen und die Kultur auf der Nachbarseite.
- Woher stammt die Geschichte von der Frau mit dem aufgeschlitzten Mund?
- Das Gerücht wurde Ende 1978 in der Kleinstadt Yaotsu in der Präfektur Gifu festgehalten, und bis zum Frühjahr 1979 berichteten bereits mehrere große Zeitungen darüber. Auf eine reale Person lässt sich die Geschichte nicht zurückführen — es ist eine klassische Großstadtlegende ohne bestätigten Autor.
- Was fragt sie und wozu die Maske?
- Dem Gerücht nach stellt die Frau in einer weißen medizinischen Maske die Frage „Bin ich schön?“ (私、綺麗?). Antwortet man „ja“, wird die Maske abgenommen und gibt einen bis zu den Ohren aufgeschlitzten Mund frei, und die Frage wiederholt sich nun über das entstellte Gesicht.
- Wie konnte man sich dem Gerücht nach retten?
- Kinder erzählten gleich mehrere Methoden: unbestimmt antworten („so mittel“), eine Münze oder ein Bonbon anbieten, sagen, dass man in Eile ist, oder dreimal das Wort „Lippenstift“ sagen. Keine dieser Methoden ist natürlich von jemandem überprüft worden — sie gehört zum selben Folklor.
- Stimmt es, dass jemand durch sie zu Schaden kam?
- Bestätigte Fälle gibt es nicht. Die Presse von 1979 druckte Nacherzählungen des Gerüchts und die Reaktion der Schulen — Patrouillen, das Abholen der Kinder in Gruppen —, nicht Zeugenaussagen von Angriffen. Die Panik nährte sich aus dem Gerücht selbst, nicht aus Vorfällen.
- Warum hat sie gleich zwei Namen?
- Der eine Name ist eine Übersetzung: 口裂け女 bedeutet wörtlich „Frau mit aufgeschlitztem Mund“. Der zweite ist dieselbe japanische Form in lateinischer Umschrift. In Japan ist nur der zweite gebräuchlich, bei uns haben sich beide eingebürgert, und um jeden hat sich ein eigener Gesprächskreis gebildet.
Quellen
Aktualisiert: 2026-09-09