„Kojiki“: Mythen des alten Japan – was ist das für ein Buch
„Kojiki“ („Aufzeichnungen über die Taten der Antike“) ist kein Mythos, sondern ein Buch: die älteste erhaltene Chronik Japans, aufgezeichnet im Jahr 712 nach den Worten des Erzählers Hieda no Are vom Hofbeamten Ō no Yasumaro. Darin wurden erstmals schriftlich die Mythen über die Erschaffung der Welt, Amaterasu, Susanoo und den Ursprung der Kaiserlinie festgehalten.

„Kojiki“ wird oft mit der Mythologie selbst verwechselt – dabei ist es nur ein Buch, das zudem im Auftrag eines konkreten politischen Ziels geschrieben wurde: die göttliche Herkunft der herrschenden Dynastie zu untermauern und gleichzeitig die mündlichen Überlieferungen erstmals aufzuzeichnen, bevor sie endgültig in Vergessenheit geraten.
Was ist „Kojiki“ und warum wurde es geschrieben
„Kojiki“ ist das älteste erhaltene schriftliche Denkmal Japans, vollendet im Jahr 712. Kaiser Temmu beauftragte den Erzähler Hieda no Are, die Genealogien und Überlieferungen des Kaiserhofs auswendig zu lernen, und Jahrzehnte später zeichnete der Hofbeamte Ō no Yasumaro sie nach den Worten von Are auf Befehl der Kaiserin Gemmei auf. Das Ziel war pragmatisch: die offizielle Version der Mythologie und Genealogie zu fixieren, die die Macht der herrschenden Dynastie als direkte Nachkommen der Sonnengöttin Amaterasu begründet.
- Jahr der Vollendung: 712, unter Kaiserin Gemmei.
- Autor der Aufzeichnung: Ō no Yasumaro, Hofbeamter.
- Textquelle: mündliche Überlieferungen, vorgetragen vom Erzähler Hieda no Are.
- Format: drei Schriftrollen – „Zeitalter der Götter“ und die Herrschaft der ersten legendären Kaiser.
Was ist drin: drei Schriftrollen
Die erste Schriftrolle ist vollständig dem „Zeitalter der Götter“ gewidmet: die Erschaffung der Welt durch Izanagi und Izanami, der Mythos von der Höhle der Amaterasu, die Heldentat des Susanoo gegen die Schlange Yamata no Orochi, die Herabkunft des Enkels von Amaterasu, Ninigi, auf die Erde. Die zweite und dritte Schriftrolle beschreiben die Herrschaft der legendären und halblegendären frühen Kaiser, von Jimmu bis Suiko, und verschieben sich allmählich vom reinen Mythos zu halbhistorischen Chroniken – die Grenze zwischen Fiktion und Geschichte wird im Text nirgends klar gezogen.
Warum der Text lange im Schatten blieb
Jahrhundertelang stand „Kojiki“ im Einfluss hinter „Nihon Shoki“ zurück, das in klassischem Chinesisch für internationales Prestige verfasst wurde. Den Status von „Kojiki“ änderte der Gelehrte Motoori Norinaga, der dem Text ein 44-bändiges Werk „Kojiki-den“ (1798) widmete – erst danach galt das Buch als Hauptquelle für das indigene japanische Denken, nicht für das aus China übernommene.
古事記 – „Aufzeichnung alter Taten“
| Japanisch | Lesung | Übersetzung |
|---|---|---|
| 古事記 | Kojiki · Kojiki | „Aufzeichnungen über die Taten der Antike“ |
| 日本書紀 | Nihon Shoki · Nihon Shoki | Zweite Hauptchronik, 720 n. Chr. |
| 太安万侶 | Ō no Yasumaro · Ō no Yasumaro | Verfasser der Aufzeichnung „Kojiki“ |
| 神代 | kamiyo · kamiyo | „Zeitalter der Götter“ – die erste Schriftrolle des Buches |
| 本居宣長 | Motoori Norinaga · Motoori Norinaga | Gelehrter, der dem Buch im 18. Jahrhundert seine Bedeutung zurückgab |
Aus welchen drei Zeichen sich der Name zusammensetzt
古事記 wird こじき gelesen: 古 „alt“, 事 „Angelegenheit, Ereignis“, 記 „aufzeichnen, Aufzeichnung“. Wörtlich – „Aufzeichnung alter Taten“. Der Text ist in einer komplexen Mischung aus chinesischen Schriftzeichen geschrieben, die teils nach Bedeutung, teils phonetisch (Man'yōgana) verwendet werden – ein seltenes und wertvolles linguistisches Denkmal der Übergangszeit der japanischen Schrift.
記 — значение: aufzeichnen, Aufzeichnung, beschreiben — онъёми: キ — кунъёми: しる.す — 10 штрих(ов). 記 – „aufzeichnen, Aufzeichnung“: links das Radikal „sprechen“ 言, rechts der Lautträger 己. Dasselbe Zeichen in 日記 (Tagebuch) und 記憶 (Erinnerung).
Schreiben Sie 記 entlang der Führungslinien und analysieren Sie die Strichreihenfolge.
„Kojiki“ als Handlung für Ōkami
- Ōkami – Handlung und Götterliste des Videospiels sind fast nach dem Inhaltsverzeichnis der ersten Schriftrolle von „Kojiki“ aufgebaut.
- „Naruto“ – übernimmt nicht die Handlungen, sondern Namen und Figuren: Amaterasu, Susanoo, Izanami direkt aus dem Text der Chronik.
- Fate/Grand Order – der japanische Handlungsbogen bezieht sich regelmäßig auf Ereignisse und Figuren aus „Kojiki“.
- Viele historische und Fantasy-Mangas nutzen das Buch als Nachschlagewerk für Namen und Genealogien, ohne es direkt nachzuerzählen.
Wie sich „Kojiki“ von „Nihon Shoki“ unterscheidet
- Sprache: „Kojiki“ ist in einer hybriden japanisch-chinesischen Schrift verfasst, „Nihon Shoki“ in klassischem Chinesisch für ein externes Publikum.
- Zielgruppe: „Kojiki“ wurde für den internen Gebrauch des Hofes geschaffen, „Nihon Shoki“ mit Blick auf diplomatisches Prestige gegenüber den kontinentalen Nachbarn.
- Struktur der Mythen: „Nihon Shoki“ führt mehrere Varianten desselben Mythos hintereinander auf, „Kojiki“ bietet eine zusammenhängende Version.
- Schicksal: „Kojiki“ blieb jahrhundertelang im Schatten, bis es im 18. Jahrhundert von Motoori Norinaga wiederentdeckt wurde.
Häufige Fragen
- Ist „Kojiki“ Mythologie oder ein Buch?
- Ein Buch: die älteste erhaltene japanische Chronik aus dem Jahr 712, aufgezeichnet von Ō no Yasumaro nach den Worten eines Erzählers. Die darin gesammelten Mythen existierten bereits mündlich – „Kojiki“ hat sie nur erstmals schriftlich fixiert.
- Wovon erzählt „Kojiki“?
- Von der Erschaffung der Welt durch die Götter Izanagi und Izanami, den wichtigsten Mythen über Amaterasu und Susanoo und anschließend von der Herrschaft der legendären ersten Kaiser Japans bis ins 7. Jahrhundert.
- Was bedeutet der Titel 古事記?
- 古事記 (こじき): 古 „alt“, 事 „Angelegenheit“, 記 „Aufzeichnung“ – wörtlich „Aufzeichnung alter Taten“. Der Text ist in einer komplexen Mischung aus semantischen und phonetischen Schriftzeichen verfasst.
- Was wurde im Anime nach „Kojiki“ gemacht?
- Direkt selten, aber ihre Handlungen und Namen bilden die Grundlage von Ōkami und tauchen regelmäßig in „Naruto“ und Fate/Grand Order als Quelle für Götternamen und Techniken auf.
- Wer ist der Autor von „Kojiki“?
- Der formelle Verfasser der Aufzeichnung ist der Hofbeamte Ō no Yasumaro, aber die Textquelle waren mündliche Überlieferungen des Erzählers Hieda no Are. Einen einzigen „Autor“ der Mythen im westlichen Sinne hat das Buch nicht.
Quellen
Aktualisiert: 2026-08-29