Tatami-Arten: Woraus sie gemacht sind, wie sie sich unterscheiden und wie man mit ihnen einen Raum misst

Tatami bestehen aus einem dichten Kern 畳床, einem Bezug 畳表 aus geflochtenem Igusa-Gras und einer Stoffkante 畳縁. Die Tatami-Arten unterscheiden sich in der Größe der Matte – von Kioma bis Danchima –, in der Kante – mit Borte oder ohne – und im Kern – aus Stroh, gepressten Spänen oder Polystyrol. Die Fläche eines Raums wird in Japan in Tatami gemessen: sechs Matten sind ein normales Zimmer, viereinhalb ein Teezimmer.

Tatami werden oft mit einer Futon-Matratze verwechselt, obwohl es verschiedene Dinge sind: Das eine liegt tagsüber unter den Füßen, das andere nur nachts unter dem Rücken. Wir sehen uns die Tatami-Arten nach Aufbau und Größe an, warum japanische Zimmer traditionell in Matten statt in Quadratmetern gemessen werden und was heute in Wohnungen mit Tatami geschieht.

Woraus Tatami gemacht sind: Kern, Bezug und Kante

Tatami ist eine mehrschichtige Matte, kein einfacher geflochtener Teppich. Innen liegt ein dichter Kern 畳床: Früher wurde er immer aus gepresstem Reisstroh gemacht, heute oft aus gepressten Holzspänen oder Polystyrol. Oben liegt der gewebte Bezug 畳表 aus dem Sumpfgras Igusa, und an den langen Kanten ist eine Stoffborte 畳縁 angenäht.

Warum neue Tatami grün sind und alte gelb

Eine frische Matte riecht nach Gras und schimmert grün – das ist die Farbe von frisch geschnittenem Igusa. Durch Sonnenlicht und Luft verblasst der Bezug mit den Jahren und wird gelb; das ist natürliche Alterung des Materials, kein Zeichen eines Mangels.

Tatami-Arten: nach Größe, Kante und Füllung

Nach Größe: von Kioma bis Danchima

Die Größe der Tatami hing historisch von der Region ab – sie ist eine Maßeinheit für Räume, die sich von Ort zu Ort änderte, keine Waren-Größe zur Auswahl. Hier sind Näherungswerte in einer Übersicht, weil verschiedene Quellen um ein bis zwei Zentimeter abweichen.

Tatami-TypGröße, cm (ungefähr)Wo verbreitet
京間 (Kioma)191 × 95,5Kansai und Westjapan
中京間 (Chūkyōma)182 × 91Nagoya und Region Tōkai
江戸間 (Edama)176 × 88Tokio und Ostjapan
団地間 (Danchima)170 × 85Mehrfamilienhäuser und Eigentumswohnungen

Nach Kante: mit Borte und ganz ohne

Die meisten Tatami haben eine schmale Stoffborte 畳縁, die die Naht des Bezugs verdeckt, und im Alltag versucht man, nicht darauf zu treten. Bei Ryūkyū-Tatami (琉球畳) gibt es gar keine Borte: Das ist eine quadratische Matte von etwa der halben üblichen Länge, die man schachbrettartig in einer Reihe auslegt – ein Aussehen, das auch in modernen Interieurs beliebt geworden ist.

Nach Kern: Stroh, Späne und Schaumstoff

  • Strohkern – die traditionelle Variante aus gepresstem Reisstroh, schwer und elastisch anzufassen.
  • Kern aus gepressten Holzspänen – leichter als Stroh und häufiger in Neubauten.
  • Kern aus Polystyrol – am leichtesten, oft mit Spänen in einer Matte kombiniert.

Wie Tatami die Raumgröße bestimmen: Jō, Tsubo und die Verlegerichtung

Die Fläche eines japanischen Zimmers wird traditionell nicht in Quadratmetern gezählt, sondern in der Zahl der Matten – Jō: 六畳 (Roku-jō), ein Zimmer mit sechs Tatami, die Standardgröße eines Wohnzimmers, und 四畳半 (Yojō-han), mit viereinhalb, die klassische Größe eines Teezimmers. In Immobilienanzeigen wird dieselbe Einheit manchmal mit dem Zeichen 帖 statt 畳 geschrieben – beide werden „jō“ gelesen und bedeuten dasselbe.

Ein Tsubo sind zwei Tatami

Tsubo (坪) ist eine Flächeneinheit für Grundstücke und Gebäude, etwa 3,31 Quadratmeter, und entspricht ungefähr der Fläche von zwei Tatami in Standardgröße. Daraus ergibt sich eine bequeme Umrechnung: Die Zahl der Tatami in einem Zimmer geteilt durch zwei ergibt die Zahl der Tsubo.

Borte und Richtung: die traditionelle Verlegung der Tatami

Auch für die Anordnung der Tatami im Raum gibt es eine Regel: Die „glückliche“ Verlegung 祝儀敷き wird so ausgeführt, dass die Fugen der Matten nie ein Kreuz bilden, während bei der „traurigen“ 不祝儀敷き die Fugen absichtlich ein Kreuz bilden. So werden Tatami bis heute in manchen Tempeln und in großen Sälen von Ryokan verlegt, wo die Haltbarkeit der Naht wichtiger ist als der Aberglaube.

畳 – das Zeichen, das früher „falten“ bedeutete

畳 — значение: Tatami, Matte, falten, Zähleinheit für Matten — онъёми: ジョウ、チョウ — кунъёми: たた.む、たたみ、かさ.なる — 12 штрих(ов). 畳 bedeutet heute sowohl die Matte selbst als auch das Verb „falten“: Bevor Tatami ganzflächig auf den Boden gelegt wurden, waren die Matten dünne Unterlagen, die man tagsüber zusammenrollte und weglegte.

Das Zeichen 畳 wird in der On-Lesung „jō“ gelesen, in der Kun-Lesung „tatami“ und „tata.mu“, „falten“. Die Verwandtschaft der Bedeutungen zeigt sich in einem Wortpaar: 畳む (tatamu) – „falten, zusammenlegen“, und 折り畳み (oritatami) – „zusammenklappbar“, vom Regenschirm bis zum Stuhl.

Falten und Auslegen – derselbe Wortstamm

Das Wort für den Gegenstand, den man zusammenlegt und weglegt, und das Wort für den Boden, auf den man ihn später legt, wachsen im Japanischen aus demselben Schriftzeichen. Das ist kein Zufall: Die Matte selbst war einst ein zusammenlegbarer Gebrauchsgegenstand, kein Teil der Hausarchitektur.

JapanischLesungÜbersetzung
畳tatami · tatamiTatami, Matte
畳むtatamu · tatamufalten, zusammenlegen
折り畳みoritatami · oritatamizusammenklappbar

Schreibe 畳 entlang der Führungslinien – das Zeichen für Tatami, das mit dem Verb „falten“ begann.

Häufige Fragen

Welche Arten von Tatami gibt es?
Tatami unterscheiden sich in drei Merkmalen: Größe, Kante und Kern. Die Größe reicht von der großen Kioma im Westen Japans bis zur kompakten Danchima in Mehrfamilienhäusern, und die Kante ist entweder mit einer Stoffborte versehen oder ganz ohne, wie bei der quadratischen Ryūkyū-Tatami. Der Kern kann aus Stroh, gepressten Spänen oder Polystyrol bestehen.
Worin unterscheidet sich Tatami von einem Futon?
Tatami ist der Boden, die Matte, auf der alle Möbel des Zimmers stehen. Ein Futon ist Bettzeug, das man nachts über die Tatami legt und morgens wegräumt. Das eine liegt ständig im Zimmer, das andere erscheint und verschwindet jeden Tag.
Warum wird ein Zimmer in Japan in Tatami gemessen und nicht in Quadratmetern?
Die Matte selbst war eine standardisierte Baueinheit: An ihre Größe wurden sowohl das Raummaß als auch die Türöffnungen angepasst. Daher die Zählung in Jō – 六畳, sechs Tatami, 四畳半, viereinhalb –, und diese Zählung ist bis heute für viele Japaner verständlicher als die Fläche in Quadratmetern.
Woraus werden Tatami gemacht?
Tatami bestehen aus drei Teilen: dem Kern 畳床 – früher aus Stroh, heute oft aus gepressten Spänen oder Polystyrol –, dem gewebten Bezug 畳表 aus dem Sumpfgras Igusa und der Stoffborte 畳縁 an den langen Kanten der Matte.
Darf man mit Hausschuhen über Tatami gehen?
Nein: Auf und neben Tatami geht man traditionell barfuß oder in Socken, und Schuhe sowie Hausschuhe zieht man schon im Genkan oder an der Zimmerschwelle aus. Die Stoffborte der Tatami versucht man dabei gar nicht zu betreten, unabhängig vom Schuhwerk.
Werden Tatami in heutigen japanischen Wohnungen noch verlegt?
Ja, allerdings meist nicht im ganzen Haus: Tatami bleiben in ein oder zwei Zimmern im japanischen Stil, während die übrigen mit Parkett oder Teppichboden ausgelegt werden. Ganz verschwunden ist die Matte aus modernem Wohnraum nicht, aber sie ist nicht mehr die einzige Bodenart.

Quellen

Aktualisiert: 2026-09-21

禅

Japanese Zen