Die Stadt Nagasaki — „lange Landzunge“ und Japans Fenster nach Europa unter den Shogunen

Nagasaki ist eine Hafenstadt im Westen der Insel Kyushu und Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur. Der Name 長崎 bedeutet „lange Landzunge“ — entweder nach dem Relief der Bucht oder nach dem Familiennamen eines Clans, der diese Ländereien in der Kamakura-Zeit verwaltete. Ab 1571 liefen hier portugiesische, ab 1641 auch niederländische Schiffe ein: Fast zwei Jahrhunderte lang war dies Japans wichtigster Hafen für den direkten Handel mit Europa.

Die Stadt Nagasaki — „lange Landzunge“ und Japans Fenster nach Europa unter den Shogunen

Wir klären, welche der beiden Herkunftsversionen des Namens genauer ist — das Relief oder der Familienname des Clans. Und warum Nagasaki tatsächlich nicht das einzige Fenster Japans zur Welt war: Bei geschlossenen Grenzen hatte das Land noch drei weitere offizielle Kontaktkanäle zu seinen Nachbarn. Nebenbei erfahren wir, woher die Castella in der Stadt kommt, was es mit der Insel Dejima auf sich hat und was die Kohleninsel Gunkanjima damit zu tun hat, die zum UNESCO-Welterbe gehört.

Nagasaki: „lange Landzunge“ — nach dem Relief oder nach dem Familiennamen?

長崎 wird ながさき (Nagasaki) gelesen und setzt sich schriftlich aus 長 „lang“ und 崎 „Landzunge“ zusammen. Einer Version zufolge beschreibt der Name das Relief selbst: eine schmale, lange Landzunge, die einst im Bereich des heutigen Tateyama in die Bucht hineinragte. Einer anderen zufolge geht er auf die Landbesitzer aus dem Geschlecht Nagasaki zurück — Verwalter dieser Ländereien bereits in der Kamakura-Zeit.

Welche Version ist in den Dokumenten belegt?

Dokumente verbinden die Gegend bereits in der Kamakura-Zeit mit dem Geschlecht Nagasaki, doch was früher da war — der Familienname oder die Bezeichnung der Landzunge —, lässt sich nicht sagen: Japanische Clans nahmen ihren Familiennamen oft nach dem Ort ihres Besitzes an. Daher ergänzen sich beide Versionen eher, als dass sie miteinander streiten.

Dejima: ein winziger Hafen gegen ganz Europa

Im Jahr 1571 liefen erstmals portugiesische Schiffe in die Bucht von Nagasaki ein, und der Fischerhafen wurde schnell zum wichtigsten Hafen des europäischen Handels in Japan. 1636 ließen die Behörden in der Bucht die Insel Dejima aufschütten, um die portugiesischen Kaufleute von der Stadt zu trennen. Nach der Vertreibung der Portugiesen 1639 verödete die Insel, und 1641 wurde die niederländische Faktorei von Hirado dorthin verlegt. Dejima blieb bis zur Öffnung des Landes 1859 der Punkt des direkten Handels Japans mit Europäern.

War Nagasaki wirklich das „einzige Fenster“ zur Welt?

Tatsächlich hatte Japan bei geschlossenen Grenzen nicht einen, sondern vier offizielle Kontaktkanäle zur Außenwelt. Neben Nagasaki pflegte der Tsushima-Clan die Beziehungen zu Korea, der Satsuma-Clan zum Königreich Ryukyu und der Matsumae-Clan zu den Ainu der Insel Ezo. Doch Nagasaki blieb der einzige Ort, an dem das Land direkt mit Europäern und China Handel trieb — daher der verbreitete Beiname „Fenster zur Welt“.

Castella, versteckte Christen und Gunkanjima: was vom alten Hafen geblieben ist

Castella ist ein weicher Biskuitkuchen, dessen Rezept mit den Portugiesen nach Nagasaki kam. Der Name wird mit dem portugiesischen pão de Castela, „kastilisches Brot“, in Verbindung gebracht: So wurde die Süßigkeit in Japan genannt, und das japanische カステラ (kasutera) bewahrte diesen Klang.

Die Kohleninsel und die Erinnerung an den 9. August

Gerade aus der Umgebung von Nagasaki stammt die Geschichte der Kakure Kirishitan — Nachfahren japanischer Christen, die nach dem staatlichen Verbot fast zweieinhalb Jahrhunderte lang heimlich ihren Glauben bewahrten. In der Bucht liegt unweit davon Gunkanjima („Schlachtschiffinsel“) — die frühere Kohleninsel Hashima mit dichter Bebauung aus Betonhäusern. Der Abbau wurde hier 1974 eingestellt, und 2015 wurde die Insel als Teil der Denkmäler der Meiji-Industrierevolution in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Am 9. August 1945 wurde über Nagasaki die zweite Atombombe abgeworfen — der zweite und bislang letzte kriegerische Einsatz von Atomwaffen in der Geschichte; heute erinnern der Friedenspark und das Atombombenmuseum daran.

崎 — die Landzunge, die an verschiedenen Enden Japans vorkommt

崎 — значение: Landzunge, ins Meer ragende Landspitze — онъёми: キ — кунъёми: さき、さい、みさき — 11 штрих(ов). 崎 — „Landzunge“: das zweite Schriftzeichen im Namen Nagasaki. Dasselbe Zeichen steht im Namen der Stadt Miyazaki auf Kyushu (宮崎) und in vielen Familiennamen wie 山崎 (Yamazaki).

Warum sich im Zeichen für „Landzunge“ ein Berg versteckt

崎 setzt sich aus dem Radikal 山 „Berg“ links und dem Lautträger 奇 rechts zusammen, der die Lesung anzeigt. Der Berg im Zeichen ist kein Zufall: Landzungen sind oft Ausläufer von Hügeln, die ins Meer reichen.

JapanischLesungÜbersetzung
長崎Nagasaki · NagasakiNagasaki — der Name der Stadt selbst
長崎市Nagasaki-shi · Nagasaki-shiStadt Nagasaki — der offizielle Name
出島Dejima · DejimaDejima — die aufgeschüttete Insel der niederländischen Faktorei
宮崎Miyazaki · MiyazakiMiyazaki — eine weitere Stadt mit demselben Zeichen 崎
カステラkasutera · kasuteraCastella — ein Biskuitkuchen, der mit den Portugiesen kam
軍艦島Gunkanjima · GunkanjimaGunkanjima — die „Schlachtschiffinsel“, ein UNESCO-Objekt

Schreibe 崎 entlang der Hilfslinien — das Zeichen für „Landzunge“ aus dem Namen Nagasaki.

Häufige Fragen

Wo liegt die Stadt Nagasaki und wofür war sie unter den Shogunen berühmt?
Die Stadt liegt an der Westküste der Insel Kyushu in einer natürlichen, tiefen Bucht. Bei geschlossenen Grenzen Japans im 17.–19. Jahrhundert liefen genau hier die Schiffe der Europäer ein: zuerst portugiesische, dann niederländische — über die Faktorei auf der aufgeschütteten Insel Dejima.
Wie übersetzt man den Namen Nagasaki aus dem Japanischen?
長崎 bedeutet wörtlich „lange Landzunge“: 長 — „lang“, 崎 — „Landzunge“. Einer Version zufolge beschreibt der Name das Relief der alten Bucht, einer anderen zufolge geht er auf den Familiennamen des Geschlechts Nagasaki zurück, das diese Ländereien in der Kamakura-Zeit verwaltete. Beide Versionen widersprechen sich nicht.
Stimmt es, dass Nagasaki das einzige Fenster Japans zur Welt war?
Nicht ganz: Bei geschlossenen Grenzen hatte das Land vier offizielle Kontaktkanäle zu seinen Nachbarn — neben Nagasaki noch Tsushima für die Beziehungen zu Korea, Satsuma für Ryukyu und Matsumae für die Ainu von Ezo. Doch Nagasaki blieb der einzige Ort des direkten Handels mit Europäern und China.
Was ist die Insel Dejima?
Dejima ist eine aufgeschüttete Insel in der Bucht von Nagasaki, die 1636 für die Portugiesen errichtet wurde und von 1641 bis 1859 als Faktorei niederländischer Kaufleute diente. Sie war fast zweieinhalb Jahrhunderte lang der einzige Punkt direkter Kontakte Japans mit Europäern.
Was ist Gunkanjima?
Gunkanjima, die „Schlachtschiffinsel“, ist der volkstümliche Name der Insel Hashima in der Bucht von Nagasaki: ein ehemaliges Kohlenbergwerk mit dichter Bebauung aus Betonhäusern, das nach der Schließung der Mine menschenleer wurde. Heute ist die verlassene Silhouette der Insel Teil der UNESCO-Welterbeliste, in die sie als Denkmal der Meiji-Industrierevolution aufgenommen wurde.
Mit welchen Schriftzeichen schreibt man „Nagasaki“?
長崎, gelesen ながさき. 長 bedeutet „lang“, 崎 — „Landzunge“. Diese Lesung bürgerte sich für den Ort bereits in der Kamakura-Zeit ein, als ein Geschlecht mit demselben Familiennamen die hiesigen Ländereien verwaltete; das Zeichen 崎 fand später auch in andere japanische Toponyme Eingang, etwa in Miyazaki.

Quellen

Aktualisiert: 2026-09-15

禅

Japanese Zen