Taiyaki — ein Fischgebäck in Form einer Meerbrasse und das Wortspiel mit „medetai“
Taiyaki (鯛焼き) ist ein Gebäck aus Weizenteig mit einer Füllung, meist Anko, das in einer Metallform in Gestalt des Tai-Fisches gebacken wird. Die Form wurde nicht zufällig gewählt: Tai ist ein festlicher und teurer Fisch, und der günstige Teig in seiner Form wurde zu einem erschwinglichen Ersatz. Einer Version zufolge wurde Taiyaki 1909 in einem Laden namens „Naniwaya“ erfunden, doch genaue Dokumente darüber sind nicht erhalten.

Taiyaki wird in Japan an jeder Ecke verkauft — aus den Fenstern von Buden und von Straßenständen, heiß, mit knuspriger Kruste außen. Wir erklären, was es mit dem Wortspiel um das Wort „freudig“ auf sich hat, worin sich Taiyaki von dem ähnlichen Imagawa-yaki ohne Fischform unterscheidet und was diese Süßigkeit mit einem Kinderlied verbindet, das den Verkaufsrekord unter japanischen Singles hält.
Teig in Fischform: Worin sich Taiyaki von Imagawa-yaki unterscheidet
Taiyaki wird in einer Metallform gebacken, die den Umriss des Tai-Fisches nachbildet: Flüssiger Weizenteig wird in die Form gegossen, die Füllung hineingelegt — meist Bohnenpaste Anko, seltener Creme oder Schokolade — und mit der zweiten Teighälfte bedeckt. Das Gericht hat einen einfacheren Verwandten, Imagawa-yaki (今川焼き): derselbe Teig mit derselben Füllung, aber rund, ohne Fischsilhouette; Taiyaki gilt als seine spätere und festlicher gestaltete Version.
Der Streit darüber, ob Anko bis zum Schwanz reichen muss
In Japan wurde sogar in Zeitungen darüber gestritten, ob Anko bis zum äußersten Schwanz des Fisches reichen muss. Der Schriftsteller Ando Tsuruo behauptete in der „Yomiuri Shimbun“, am leckersten sei Taiyaki, bei dem die Füllung auch im Schwanz ist. Gegner wandten ein: Der Schwanz wurde ursprünglich absichtlich leer gelassen, damit man das Gebäck mit den Fingern halten kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen.
Warum der Teig die Form eines teuren Fisches erhielt
Tai ist in Japan ein Fisch für die Festtafel: Seine rote Farbe wird mit dem Wort medetai (めでたい) — „freudig, gesegnet“ — in Verbindung gebracht, obwohl es sich ursprünglich um zwei verschiedene, in keiner Weise verwandte Wörter handelt. Der Gleichklang — die Endung von medetai und das Wort tai — wurde in Japan zu einem festen Wortspiel. Der Glücksgott Ebisu hält auf Abbildungen eine Angel mit einem Tai in den Händen, und das Wort „medetai“ selbst wird manchmal scherzhaft mit den Zeichen 目出鯛 geschrieben, wörtlich „Auge, Ausgang, Tai“.
Teig statt Fisch, den sich nicht alle leisten konnten
Ein ganzer Tai auf der Festtafel war teuer, doch Taiyaki — günstiger Straßenteig in derselben Form — ermöglichte jedem, ein Glückssymbol zu bekommen, ohne einen echten Fisch zu kaufen. Genauso verfuhr man mit anderen festlichen Formen: In demselben Tokioter Laden, in dem einer Version zufolge Taiyaki erfunden wurde, wurden anfangs auch runde Imagawa-yaki und Gebäck in Schildkrötenform gebacken.
Taiyaki im Lied von 1975 und an Straßenständen
„Oyoge! Taiyaki-kun“ ist ein Kinderlied von 1975 aus der Fernsehsendung „Hirake! Ponkikki“ über ein Taiyaki, das aus dem Laden entkam und aufs Meer hinausschwamm. Nach Berechnungen von Oricon erreichte die Version von Shimon Masato eine Auflage von über 4,5 Millionen Exemplaren und gilt als die meistverkaufte Single auf physischen Tonträgern in der gesamten Geschichte der japanischen Charts. Als Vorbild für die Figur des Ladenbesitzers im animierten Musikvideo wird der reale Besitzer des Tokioter „Naniwaya“ genannt.
Von den Läden der Meiji-Zeit bis zu Festivalständen
Taiyaki ist vor allem Streetfood: Das frische Gebäck wird direkt aus der Form genommen und im Gehen gegessen, am Fenster des Ladens, an einem Festivalstand oder an einem temporären Verkaufsstand am Bahnhof. Backformen gibt es in zwei Arten — für einen Fisch auf einmal oder für mehrere gleichzeitig, und Kenner unterscheiden sie an der Knusprigkeit der Kruste.
Der Fisch mit dem Radikal „Fisch“: Wie 鯛 gelesen wird
鯛 — значение: tai, Meerbrasse, Fisch — Symbol des Festes — онъёми: チョウ — кунъёми: たい — 19 штрих(ов). 鯛 — „tai, Meerbrasse“: links das Radikal 魚 „Fisch“, rechts ein Phonetikum, das die Lesung anzeigt. Dasselbe Radikal steht in den Namen Dutzender anderer Fische.
On-Lesung chō, Kun-Lesung tai
鯛 hat zwei Lesungen: die On-Lesung chō — selten, fast nur in Nachschlagewerken — und die Kun-Lesung tai, die sowohl in 鯛焼き als auch im Namen des Fisches selbst vorkommt. Das Suffix 焼き (yaki) am Wortende ist nicht Teil des Fischnamens, sondern das in der japanischen Küche übliche Wort für „gebacken, gebraten“: Es steht auch in Yakitori, Takoyaki, Sukiyaki.
Das Radikal 魚 und andere Fische
Das Radikal 魚 „Fisch“ kommt in der Schreibweise Dutzender Namen vor: 鮭 (sake oder shake) — Lachs, 鮪 (maguro) — Thunfisch. 鮭 hat übrigens dieselbe Lesung sake wie das alkoholische Getränk 酒 — das ist ein zufälliger Gleichklang und keine Verwandtschaft der Wörter: Die Schriftzeichen sind verschieden, und die Herkunft steht in keinerlei Zusammenhang.
| Japanisch | Lesung | Übersetzung |
|---|---|---|
| 鯛焼き | taiyaki · taiyaki | Taiyaki |
| 鯛 | tai · tai | Meerbrasse |
| 今川焼き | imagawayaki · imagawayaki | Rundes Gebäck, Vorgänger des Taiyaki |
| 焼く | yaku · yaku | Backen, braten |
| 鮭 | sake · sake | Lachs |
| 鮪 | maguro · maguro | Thunfisch |
Schreiben Sie 鯛 entlang der Hilfslinien — das Zeichen des Tai-Fisches, dem Taiyaki seine Form verdankt.
Häufige Fragen
- Taiyaki — was ist das für ein Gebäck in Fischform?
- Ein Gebäck aus Weizenteig mit einer Füllung — meist Bohnenpaste Anko, seltener Creme oder Schokolade —, das in einer Metallform in Gestalt des Tai-Fisches gebacken wird. Man isst es heiß, direkt aus der Form, meist auf der Straße und nicht am Tisch.
- Wer und wann hat Taiyaki erfunden?
- Das ist nicht genau bekannt. Einer Version zufolge wurde Taiyaki 1909 in einem Tokioter Laden namens „Naniwaya“ erfunden. Doch der heutige Besitzer gibt zu, dass genaue Dokumente aus jener Zeit nicht erhalten sind, und frühere Zeitungsnotizen deuten auf die Existenz ähnlicher Läden schon früher hin.
- Warum wurde Taiyaki gerade in Form des Tai-Fisches gemacht?
- Tai ist ein Fisch für die Festtafel, seine rote Farbe wird mit dem Wort medetai, „freudig“, in Verbindung gebracht: Der Gleichklang machte den Tai zum Glückssymbol. Ein echter Fisch war teuer, doch der günstige Teig in seiner Form ermöglichte jedem, dasselbe Symbol auf der Straße zu bekommen, ohne zu einem Festessen zu gehen.
- Was hat es mit dem Lied „Oyoge! Taiyaki-kun“ auf sich?
- Das ist ein Kinderlied von 1975 über ein Taiyaki, das aus dem Laden ins Meer entkam. Nach Berechnungen von Oricon gilt es als die meistverkaufte Single in der Geschichte der japanischen Charts, und als Vorbild für den Ladenbesitzer im animierten Musikvideo wird der reale Besitzer des Tokioter „Naniwaya“ genannt.
- Worin unterscheidet sich Taiyaki von Imagawa-yaki?
- Teig und Füllung sind fast dieselben, der Unterschied liegt in der Form: Imagawa-yaki ist rund, ohne Fischsilhouette, während Taiyaki die Umrisse des Tai nachbildet. Imagawa-yaki ist älter und einfacher, Taiyaki eine spätere und festlicher gestaltete Weiterentwicklung desselben Rezepts.
Quellen
Aktualisiert: 2026-09-15