Japanische Taiko-Trommeln: Welche Arten es gibt und warum man sie mit dem ganzen Körper spielt
Japanische Taiko-Trommeln sind nicht ein Instrument, sondern eine ganze Familie: von der kleinen, hell klingenden Shime-daiko bis zur massiven O-daiko. Der Korpus wird meist aus einem massiven Baumstamm gedrechselt und mit Fell bespannt, und man spielt im Stehen, wobei der ganze Körper schwingt, nicht nur die Handgelenke. Der Ensemble-Stil mit mehreren Taiko unterschiedlicher Größe, Kumidaiko, entstand erst Mitte des 20. Jahrhunderts.

Es scheint, als sei „Taiko“ einfach das Wort für Trommel, doch dahinter steht ein ganzes System: mehrere verschiedene Korpusformen, eigene Techniken des Stockgriffs und vor allem eine junge Tradition der Bühnenensembles, die noch keine hundert Jahre alt ist. Wir schauen uns an, welche Taiko es gibt, was ihr Name bedeutet und woher die Mode kam, sie im Stehen mit dem ganzen Körper zu spielen.
Nagado-daiko, Shime-daiko, O-daiko: Arten von Taiko
Alle Taiko eint die Art der Korpusherstellung – meist wird er aus einem massiven Holzstück gedrechselt, seltener aus Brettchen zusammengesetzt – und die Spielweise mit den Schlegeln Bachi (撥). Größe, Form und Verwendung unterscheiden sich jedoch stark.
| Art | Schreibweise | Besonderheit |
|---|---|---|
| Nagado-daiko | 長胴太鼓 | fassförmiger Korpus aus einem massiven Stamm, der bekannteste Typ |
| Shime-daiko | 締太鼓 | klein, mit Seilen straff gespannt, hoher, heller Klang |
| O-daiko | 大太鼓 | die größte der gängigen, tiefer, dröhnender Klang |
| Okedo-daiko | 桶胴太鼓 | Korpus aus zusammengesetzten Brettchen, leichter als Nagado-daiko |
Kumidaiko: ein Ensemble aus Dutzenden Trommeln
Das Spiel auf mehreren Taiko gleichzeitig nach einer gemeinsamen Partitur – der Stil Kumidaiko (組太鼓) – entstand erst 1951. Damals belebte der Musiker Oguchi Daihachi die seit der Meiji-Zeit vergessene Tradition der Osuwa-daiko-Trommel wieder und erfand für sie eine Ensembleform mit mehreren Trommeln unterschiedlicher Größe. Zuvor erklang Taiko meist solo oder im Duo mit einer Flöte, nicht in großer Besetzung auf der Bühne.
太鼓 – „große Trommel“ und ein Zeichen, das auch „Herzschlag“ bedeutet
鼓 — значение: Trommel, die Trommel schlagen, begeistern — онъёми: コ — кунъёми: つづみ — 13 штрих(ов). 鼓 – „Trommel“: in der Kombination 太鼓 wird es „ko“ gelesen und bezeichnet die Trommel allgemein. Als eigenständiges Wort wird es „tsuzumi“ gelesen und bezeichnet eine andere, eine Handtrommel aus dem Nō-Theater – diese beiden Fälle sollte man nicht verwechseln.
太鼓 – 太 „groß, dick“ plus 鼓 „Trommel“: wörtlich „große Trommel“, obwohl so Trommeln jeder Größe bezeichnet werden, nicht nur die großen. 和太鼓 (Wadaiko), „japanische Trommel“, ist eine Präzisierung, die man verwendet, wenn man das traditionelle Instrument von einem Schlagzeug oder Pauken unterscheiden möchte.
| Japanisch | Lesung | Übersetzung |
|---|---|---|
| 太鼓 | taiko · taiko | Taiko-Trommel |
| 和太鼓 | wadaiko · wadaiko | Japanische Trommel |
| 大太鼓 | ōdaiko · ōdaiko | Die größte der gängigen Taiko |
| 撥 | bachi · bachi | Trommelschlegel |
| 鼓 | tsuzumi · tsuzumi | Handtrommel – ein anderes Instrument |
| 鼓動 | kodō · kodō | Herzschlag, Puls |
Eine Trommel, die wie ein Herz schlägt
Dasselbe Zeichen 鼓 steckt im Wort 鼓動 (kodō), „Herzschlag, Puls“. Der Name des Ensembles Kodo, das 1981 auf der Insel Sado gegründet wurde, klingt genauso, wird aber mit anderen Zeichen geschrieben – 鼓童, „Trommel“ und „Kind“. So entsteht ein Wortspiel mit zwei Bedeutungen zugleich: „Herzschlag“ und „wie ein Kind auf die Trommel schlagen“, ohne nachzudenken.
Schreibe 鼓 entlang der Hilfslinien – das Zeichen „Trommel“ aus dem Wort 太鼓.
Wo Taiko erklingt: vom Schrein bis zum Spielautomaten
Taiko erklingt bei Matsuri und während des Bon-Odori, in Shinto-Schreinen und buddhistischen Tempeln – der Trommelklang kündigte traditionell den Beginn einer Zeremonie an. Seit 1981 wirkt auf der Insel Sado das Ensemble Kodo: Es machte Bühnenaufführungen mit Taiko weltweit bekannt und tourt bis heute regelmäßig.
In Videospielen wurde der Klang der Taiko zu einem eigenen Genre. Die Arcade-Reihe „Taiko no Tatsujin“ (太鼓の達人, Namco, seit 2001) lädt dazu ein, im Takt der Musik auf eine gezeichnete Trommel zu schlagen – von Klassik bis zu Anime-Openings. Sie bleibt eines der bekanntesten japanischen Spiele in Spielhallen.
Warum man „mit dem ganzen Körper“ spielt
Im Kumidaiko sitzt der Trommler nicht, sondern steht oder stellt die Beine breit auf, und der Schlag kommt aus Rumpf und Schulter, nicht nur aus dem Handgelenk: So wird der Klang lauter und für die Zuschauer in der letzten Reihe besser sichtbar. Derselbe spektakuläre, athletische Spielstil unterscheidet das Bühnen-Taiko von der leisen Tempeltrommel, die einfach den Rhythmus des Gottesdienstes schlägt.
Taiko ist nicht so alt und nicht so streng, wie es scheint
Drei verbreitete Behauptungen über Taiko
- „Taiko ist eine uralte Ensemblekunst.“ Die Taiko-Trommel selbst erklingt in Japan seit über tausend Jahren, doch das Ensemblespiel auf mehreren Taiko gleichzeitig, Kumidaiko, ist eine Erfindung der Mitte des 20. Jahrhunderts, keine alte Tradition.
- „Taiko ist reine Männerkunst.“ Unter den modernen Ensembles gibt es sowohl reine Frauen- als auch gemischte Besetzungen: So treten gerade bei Kodo Frauen gleichberechtigt mit Männern auf. Geschlechtliche Einschränkungen sind keine Regel dieser Kunstform, sondern eine Eigenheit einzelner Schulen.
- „Alle japanischen Trommeln heißen Taiko.“ Die Handtrommel Tsuzumi (鼓), die im Nō- und Kabuki-Theater auf der Schulter getragen wird, ist ein ganz anderes Instrument: kleiner, in der Form einer Sanduhr ähnlich und anders im Klang.
Häufige Fragen
- Wie heißen japanische Trommeln?
- Das allgemeine Wort ist Taiko (太鼓), doch es bezeichnet eine Familie verschiedener Trommeln: von der kleinen Shime-daiko bis zur massiven O-daiko. Neben Taiko gibt es auch die Handtrommel Tsuzumi (鼓) – sie ist anders gebaut und gehört zu einer anderen Tradition, dem Nō-Theater.
- Was ist Taiko?
- Taiko ist eine japanische Trommel mit einem Korpus, der meist aus einem massiven Baumstamm gefertigt und mit Fell bespannt ist. Man spielt sie mit den Schlegeln Bachi, und seit Mitte des 20. Jahrhunderts spielt man mehrere Taiko unterschiedlicher Größe gemeinsam im Stehen mit dem ganzen Körper – diesen Ensemble-Stil nennt man Kumidaiko.
- Worin unterscheidet sich O-daiko von Nagado-daiko?
- Beide haben einen fassförmigen Korpus aus massivem Holz, doch die O-daiko (大太鼓) ist größer und erzeugt einen tieferen, dröhnenden Klang, während die Nagado-daiko (長胴太鼓) die bekannteste mittlere Größe ist – die Grundlage des Klangs der meisten Ensembles und Solopartien.
- Wo kann man Taiko hören?
- Taiko kann man bei Matsuri und Tempelfesten in ganz Japan hören, bei Konzerten von Ensembles wie Kodo von der Insel Sado. Außerdem – in Aufnahmen, Soundtracks und im Arcade-Spiel „Taiko no Tatsujin“, das den Trommelrhythmus in ein Spielformat überträgt.
- Wie schreibt man „Taiko“ mit Schriftzeichen?
- 太鼓, gelesen たいこ: 太 „groß, dick“ plus 鼓 „Trommel“. Die präzisierte Bezeichnung 和太鼓 (Wadaiko), „japanische Trommel“, verwendet man, um das traditionelle Instrument von einem Schlagzeug und von Pauken im Orchester zu unterscheiden.
- Was bedeutet der Name des Ensembles Kodo?
- 鼓童 wird genauso gelesen wie 鼓動, „Herzschlag“, aber mit anderen Zeichen geschrieben – „Trommel“ und „Kind“: So entsteht ein Wortspiel mit zwei Bedeutungen zugleich, dem Herzschlag und dem hingebungsvollen, bedingungslosen Trommelspiel. Das Ensemble wurde 1981 auf der Insel Sado gegründet.
Quellen
Aktualisiert: 2026-09-14