Sarariman — der japanische Büroangestellte: Woher das Wort kommt und wie er lebt
Sarariman (サラリーマン) ist keine Entlehnung, sondern ein japanisches Wort, das aus den englischen Wörtern „salary“ und „man“ zusammengesetzt wurde: So bezeichnet man einen Angestellten mit festem Gehalt, meist einen Büroangestellten im Anzug. Das Wort kam um 1920 in der Taisho-Zeit in Gebrauch und ist seitdem fest mit überfüllten Zügen zur Hauptverkehrszeit und dem Leben zwischen Zuhause und Büro verbunden.

Das Wort kennt selbst, wer kein Japanisch lernt, doch seine Bedeutung ist enger, als es scheint: Es bezeichnet nicht „irgendeinen arbeitenden Menschen“, sondern einen Angestellten mit festem Gehalt und einer erkennbaren Lebensweise. Wir schauen, woher „Sarariman“ stammt, warum in Formularen stattdessen 会社員 steht und wie dieses Leben in der Praxis aussieht — ohne Klischees aus Bürokomödien.
Was „Sarariman“ bedeutet
サラリーマン ist ein japanisches Wort aus den englischen Bestandteilen „salary“ (Gehalt) und „man“ (Mann): So bezeichnet man einen Angestellten mit festem Gehalt, meist einen Büroangestellten, nicht aber einen Arzt, Anwalt oder Unternehmer. In der offiziellen japanischen Berufsklassifikation gibt es diesen Eintrag nicht — es ist keine Position, sondern eine Lebensweise: Anzug, Pendlerzug, Versetzungen ohne Familie. Frauen werden traditionell anders bezeichnet — als „Office Lady“ (OL) oder „Karrierefrau“.
Warum „Sarariiman“ und nicht „Salaryman“
Im Japanischen gibt es keinen eigenen Laut „l“: Dieselbe Silbe der ら-Reihe gibt sowohl „ra“ als auch „la“ wieder. Daher wurde aus dem englischen „salary“ das japanische サラリー — und das lässt sich auf zwei Arten zurückübertragen. „Sarariman“ ist näher an der japanischen Aussprache, „Salaryman“ näher am ursprünglichen englischen Wort; beide Schreibweisen kommen in deutschen Texten vor.
| Japanisch | Lesung | Übersetzung |
|---|---|---|
| サラリーマン | sararīman · sararīman | Angestellter Büroarbeiter |
| 会社員 | kaishain · kaishain | Firmenangestellter — neutrales Wort in Formularen |
| 正社員 | seishain · seishain | Festangestellter, Vollzeitbeschäftigung |
| 社畜 | shachiku · shachiku | „Firmenvieh“ — ironische Selbstbezeichnung eines Sarariman |
| OL | ōeru · ōeru | Office Lady — so werden weibliche Angestellte genannt |
社 im Wort 会社員: Wie der Sarariman in Formularen heißt
社 — значение: Firma, Gesellschaft, Schrein, Mitarbeiter (in Zusammensetzungen) — онъёми: シャ — кунъёми: やしろ — 7 штрих(ов). サラリーマン wird in Katakana geschrieben, ohne ein einziges Kanji, doch in Formularen und Dokumenten heißt dasselbe 会社員 — „Firmenangestellter“, und das wichtigste Zeichen darin ist 社. 社 — „Firma, Gesellschaft; Schrein“ — steht in 会社 „Firma“, 社員 „Mitarbeiter“ und im ironischen 社畜 „Firmenvieh“.
Vom Schrein des Erdgeistes zum Wort „Firma“
Das Zeichen 社 wird als 示 „Altar“ und 土 „Erde“ zerlegt: Die ursprüngliche Bedeutung ist der Schrein eines Erdgeistes, wie im Wort 神社 (jinja) „Shinto-Schrein“. Später bezeichnete das Zeichen auch eine Gemeinschaft von Menschen und einen Zusammenschluss um eine gemeinsame Sache — daher 会社 „Firma“. Und 社畜 ist die Zusammensetzung aus 会社 „Firma“ und 家畜 „Vieh“. Das Wort wurde von dem Schriftsteller Azuchi Satoshi geprägt und kam 1990 in die Liste der Modewörter des Jahres.
Schreiben Sie 社 entlang der Hilfslinien — das Zeichen der „Firma“, die der Sarariman seinen Arbeitsplatz nennt, auch wenn das Wort selbst in Katakana geschrieben wird.
Der Alltag eines Sarariman: Von der Visitenkarte bis zur Versetzung ohne Familie
Hinter dem Wort steht kein Witz, sondern eine Reihe fester Praktiken — einige werden schwächer, andere halten sich seit Jahrzehnten.
- Die lebenslange Anstellung (終身雇用) und die Beförderung nach Dienstalter (年功序列) waren für große Unternehmen von den Nachkriegsjahrzehnten bis in die 1990er Jahre die Norm. Heute werden beide Praktiken schwächer — Unternehmen stellen häufiger befristet ein und zahlen nach Leistung, nicht nur nach Betriebszugehörigkeit.
- Der Austausch von Visitenkarten (名刺交換) zu Beginn eines Geschäftstreffens ist Teil der Hierarchie, keine Formalität: Die Visitenkarte wird mit beiden Händen überreicht und entgegengenommen und aufmerksam gelesen, nicht sofort in die Tasche gesteckt.
- Das Gedränge in den Zügen zur Hauptverkehrszeit gehört für Millionen von Sarariman in den Großstädten zum Alltag: An großen Bahnhöfen gibt es sogar Mitarbeiter, die helfen, die Türen überfüllter Wagen vorsichtig zu schließen.
- Betriebliche Zusammenkünfte nach der Arbeit (飲み会) mit Vorgesetzten und Kollegen sind ein informeller Teil der Karriere: Dort kann man sagen, was man im Büro nicht sagt, und eine Ablehnung, daran teilzunehmen, verläuft nicht immer ohne Rückfragen.
- Die dienstliche Versetzung in eine andere Stadt ohne Familie (単身赴任) ist bei einer Beförderung üblich: Der Mann lebt getrennt, während die Frau mit den Kindern wegen der Schule und ihrer eigenen Arbeit am Ort bleibt.
Der Sarariman im Manga: Vom Abteilungsleiter bis Kintaro
„Abteilungsleiter Shima Kosaku“ (課長島耕作, Hirokane Kenshi, seit 1983 im Magazin Morning) zeigt die Karriere eines Angestellten, der mit der Zeit bis ins Top-Management aufsteigt. „Sarariman Kintaro“ (サラリーマン金太郎, Motomiya Hiroshi, seit 1994 im Weekly Young Jump) handelt von einem ehemaligen Biker, der Angestellter wurde und sich selbst treu blieb. „Tagebuch eines Narrenfischers“ (釣りバカ日誌, Szenario von Yamasaki Juzo, Zeichnungen von Kitami Kenichi, seit 1979 im Big Comic Original) handelt von einem Sarariman, für den das Angeln wichtiger ist als die Karriere.
Drei Mythen über das Wort „Sarariman“
- „Sarariman ist ein entlehntes englisches Wort.“ Nein: Es ist ein japanisches Wort, das aus englischen Bestandteilen zusammengesetzt wurde (和製英語). Früher nannte man denselben Angestellten auf Japanisch — 勤め人 „Angestellter“ oder 月給取り „Monatslohnempfänger“.
- „Sarariman ist jeder arbeitende Japaner.“ Nein: Ärzte, Anwälte und andere Spezialisten, Unternehmensleiter, Bauern, Ladenbesitzer und Selbstständige werden so normalerweise nicht genannt. Selbst unter den Angestellten sind festangestellte Büroangestellte nur ein Teil: Daneben gibt es Teilzeitkräfte, Vertragsangestellte und Leiharbeiter (パート, 契約社員, 派遣).
- „Sarariman ist immer ein Mann.“ Hier gehen die Wörterbücher auseinander: Einige definieren das Wort als „einen in einer Firma arbeitenden Mann“, während „Daijisen“ und „Daijirin“ jeden bezeichnen, der von einem Gehalt lebt. Der männliche Beiklang ist dennoch stark. Im Fernsehen sagt man, um Frauen nicht auszuschließen, häufiger 会社員. Und der Wettbewerb für scherzhafte Gedichte „Sarariman-Senryu“, der seit 1985 veranstaltet wird, wurde 2023 umbenannt — wegen der Vielfalt der Arbeitsformen.
Häufige Fragen
- Was bedeutet das Wort „Sarariman“?
- Sarariman bezeichnet einen Angestellten mit festem Gehalt, meist einen Büroangestellten. Das Wort wurde im Japanischen aus den englischen Wörtern „salary“ und „man“ zusammengesetzt und beschreibt keine Position, sondern eine Lebensweise: Anzug, Pendlerzug, jahrelange Arbeit in derselben Firma.
- Wie schreibt man es richtig — „Sarariman“ oder „Salaryman“?
- Näher an der japanischen Aussprache ist „Sarariman“: So sprechen Japaner das Wort aus, mit langem „i“ in der Mitte. „Salaryman“ geht auf das englische salaryman zurück und kommt in deutschen Texten ebenfalls vor. Keine der Schreibweisen gilt als Fehler, doch im Japanischunterricht sagt man eben „Sarariman“.
- Wann entstand das Wort „Sarariman“?
- Das Wort kam um 1920 in der Taisho-Zeit in Gebrauch: So nannte man Universitätsabsolventen, die in Privatunternehmen in Jackett und Krawatte arbeiteten. Weite Verbreitung fand es durch das Buch „Sarariman monogatari“ (サラリマン物語, 1928) — geschrieben von Maeda Hajime, einem Angestellten einer Kohlefirma in Hokkaido.
- Stimmt es, dass das Wort „Sarariman“ abwertend klingt?
- In manchen Kontexten ja: Es hat einen leicht abwertenden Beiklang eines gesichtslosen Rädchen im System, weshalb manchmal stattdessen „Businessman“ gesagt wird. In der Alltagssprache ist das Wort jedoch neutral und bezeichnet einfach einen Büroangestellten.
- Was bedeutet das Wort 社畜, mit dem Sarariman sich selbst bezeichnen?
- 社畜 (shachiku) bedeutet wörtlich „Vieh der Firma“ — eine ironische Selbstbezeichnung eines Angestellten, dessen Leben ganz vom Arbeitgeber abhängt: Überstunden, Versetzungen und Urlaub nach dem Zeitplan des Vorgesetzten, nicht nach eigener Wahl.
- Gibt es das Wort „salaryman“ im Englischen?
- Ja, es hat sich als Entlehnung aus dem Japanischen etabliert. Anders als das ursprüngliche japanische Wort bezeichnet „salaryman“ in englischsprachigen Texten nicht jeden Angestellten, sondern speziell den japanischen Büroangestellten im Anzug — mit allen Gewohnheiten von der Visitenkarte bis zur Überarbeit.
Quellen
Aktualisiert: 2026-09-13